Zwei Bücher zur Inklusion

Der Nationalrat berät die Rechte von Menschen mit Behinderungen, wir haben die passende Lektüre dazu!

In seinem offenen Brief an den Nationalrat schreibt Autor Christoph Keller:

Wir wollen Rechte, keine Almosen

Liebe Nationalrätinnen und Nationalräte

Am 16. und 21. September beraten Sie im Parlament darüber, wie es mit der Inklusionsinitiative weitergeht.
Sie stellen damit die Weichen für 1,9 Millionen Menschen mit Behinderungen in diesem Land. Sie entscheiden mit darüber, ob wir endlich vollwertige Bürgerinnen und Bürger werden oder weiterhin Menschen bleiben, über deren Bedürfnisse und Selbstbestimmung andere befinden.
Die Schweiz hat gute Gesetze. Sie hat die Behindertengleichstellung in der Verfassung und die UNO-Behindertenrechtskonvention ratifiziert. Aber Rechte auf dem Papier genügen nicht, wenn sie sich im Alltag kaum durchsetzen lassen.
Genau darum geht es bei der Inklusionsinitiative. Nicht um mehr Fürsorge. Nicht um mehr Wohlwollen. Sondern um Rechte: auf tatsächliche Gleichstellung, notwendige Unterstützung und Assistenz sowie die freie Wahl von Wohnort und Wohnform.
Heute sind wir noch zu oft darauf angewiesen, dass Behörden, Versicherungen oder Institutionen unser Anliegen anerkennen. Man gewährt uns etwas. Oder nicht.
Das ist das Prinzip Almosen.
Ein Rechtsstaat funktioniert anders: Ich muss nicht darum bitten, dass mein Recht respektiert wird. Ich habe dieses Recht.
Über Assistenz, Wohnen und Barrierefreiheit wird viel gesprochen. Über das Entscheidende erstaunlich wenig: das Recht, sein Recht durchzusetzen.
Solange Menschen mit Behinderungen im Konfliktfall nicht über starke individuelle Rechtsansprüche verfügen, bleiben sie Bittsteller. Erst ein durchsetzbares Recht macht aus Wohlwollen Gleichstellung.
Der Bundesrat lehnt die Initiative ab und setzt auf einen Gegenvorschlag. Dieser bringt Verbesserungen, bleibt aber hinter diesem Anspruch zurück.
Das Parlament kann das korrigieren.
Machen Sie aus 1,9 Millionen Menschen keine Empfängerinnen und Empfänger staatlichen Wohlwollens.
Machen Sie uns zu Bürgerinnen und Bürgern mit gleichen Rechten.
Ich bin überzeugt, dass auch die Schweizer Bevölkerung dazu bereit ist.

Christoph Keller, Schriftsteller und Rollstuhlfahrer, St. Gallen, 10. September 2026

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