Die Unbeirrbare
Wie Gertrud Heinzelmann den Papst und die Schweiz das Fürchten lehrte
gebunden mit Schutzumschlag, etwa 20 Abbildungen , 320 Seiten
September 2003Kühn forderte Gertrud Heinzelmann vom Papst 1962 die Weihe von Priesterinnen. «Ich bin», schreibt sie, «mit jeder Faser dem Neuen verpflichtet und behaupte gerade deshalb, ein sehr guter Christ zu sein.» Ihre Forderung ist weltweit ein Tabubruch. Die Schweiz reagiert mit Wut, denn die Kirchenkritikerin ist auch eine unbequeme Kämpferin für das Frauenstimmrecht.
Aufgewachsen ist Gertrud Heinzelmann (1914 bis 1999) in einer liberalen und weltoffenen Kaufmannsfamilie. Sie klettert aufs Matterhorn und weigert sich im Zweiten Weltkrieg, das eigene Land zu verteidigen. Vom Heiraten hält sie nichts und verdient ihr Geld als Juristin und erste Ombudsfrau der Schweiz. Sie sei, schreibt sie dem Mann, dem sie sich am meisten anvertraut, kein «fader Henkeltopf der göttlichen Gnade», sondern «lieber sich selber und unerhört lebendig».
Mit erzählerischer Leichtigkeit legt Barbara Kopp die Biografie einer internationalen Vordenkerin vor, zitiert aus ihren Briefen und entwirft das Bild ihrer Zeit.

Bildrechte: Andreas Schwaiger
Pressestimmen
Tages-Anzeiger, 09. Oktober 2003
Schweizer Buchhandel 16/2003
Orientierung, 15. Oktober 2003
Neue Luzerner Zeitung, 21. Oktober 2003
Zürcher Unterländer, 02. Januar 2004
forum, 04/11. Januar 2004
WochenZeitung WoZ, 15. Januar 2004
Limmatthaler Tagblatt, 20. Januar 2004
Passagen (Frauenfragen), Januar 2004
St. Galler Tagblatt, 03. März 2004
Frauen bunt, März 2004
Der Reussbote, 22. März 2005
Freiburger Nachrichten, 22. April 2005
Heilige Texte: Autorität und Sprache. Jahrbuch der Europäischen Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen, 2004
VIP-Tip von Simonetta Sommaruga in der Berner Zeitung, 29. Juni 2006
Bündner Woche, 20. Januar 2021
«Nun gibts die Biografie der Frauenstimmrechts-Aktivistin, Pionierin der feministischen Theologie, ersten Ombudsfrau des Landes; Journalistin Barbara Kopp schildert den Weg einer Frau, die mit persönlicher Isolation und seelischen Schmerzen für ihren Aufstand bezahlte und doch bis zum Tod 1999 nie kapitulierte. Weil Heinzelmann in ihren Begrenztheiten gezeigt wird – die 68erinnen etwa waren der Bürgerlichen von aristokratischem Habitus zu linksfrech –, resultiert das herbe Porträt einer an der Retardiertheit der Schweiz leidenden Schweizerin.» Facts
«Unlängst ist von Barbara Kopp eine packende Biographie über Gertrud Heinzelmann erschienen, die auf subtile Weise zeigt, wie erbarmungslos die Geschlechter-Apartheid in der Schweiz des 20. Jahrhunderts Frauenleben zerstören konnte. Für Gertrud Heinzelmann (1914–1999), Anwältin, erste Schweizer Ombudsfrau und Bergsteigerin, Frauenstimmrechtskämpferin und Fürsprecherin des Frauenpriestertums, war die doppelte Entmündigung in Staat und Kirche so unerträglich, dass sie nicht nur ihr Geschlecht, sondern auch ihre Geschlechtlichkeit verwünschte. Und doch hat die Einzelkämpferin viel für die Sache der Frau erreicht und massgeblich zur Einführung des Frauenstimmrechts beigetragen.» Yvonne Denise Koechli, Berner Zeitung
«Die Autorin Barbara Kopp schrieb über diese starke Frau ein ebensolches Buch. Ihr Schreibstil führt den Leser fliessend und fundiert durch die Stationen eines Frauenlebens. Die Schweizer Geschichte wäre ohne Heinzelmann um einiges ärmer, und der Buchmarkt ebenso ohne dieses schönen Buches.» Der Bote vom Untersee
«Gertrud Heinzelmann litt persönlich stark unter der dreifachen Diskriminierung als Gläubige, als Berufsfrau und als politisch rechtlose Intellektuelle. Bis zu ihrem Tod 1999 lebte sie ein selbstauferlegtes Zölibat. Die Journalistin Barbara Kopp hat Heinzelmann 1998 und 1999 bei Interviews für ein Filmporträt kennen gelernt. Aus den Gesprächen, dem umfangreichen Nachlass der Frauenrechtlerin und ihrer Familie sowie Recherchen zum politischen und religiösen Hintergrund entstand ein spannendes Porträt der unbequemen Feministin.» Neue Luzerner Zeitung
«Barbara Kopp hat mit viel Akribie und unter Beizug von unzähligen Dokumenten die Lebensgeschichte dieser ungewöhnlichen Frau nachgezeichnet. Ein Glück, gibt es Frauen wie Barbara Kopp.» Schweizer Buchhandel
«Barbara Kopp hat ein aufwühlendes Buch geschrieben. Ich empfehle es allen, die an Orten wie dem Freiamt aufgewachsen sind.» Simonetta Sommaruga, Berner Zeitung
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Entdecken
Augenblicklich wird es still, ganzen Sitzreihen stockt der Atem, Köpfe drehen sich um. «Was für eine törichte und überflüssige Frage!», wird aus Recklinghausen das «Echo der Zeit» seiner katholischen Leserschaft zu bedenken geben. Oder der «Feuerreiter» aus Köln wird verständnisvoll erklären: «Sehr viele Journalisten sind nicht katholisch und fragen deshalb viele Dinge, die für den Katholiken selbstverständlich sind.» Die Frage verweist auf die Möglichkeit, dass auch Äbtissinnen und Nonnen zu Konzilssitzungen eingeladen werden könnten, wenn doch Vertreter von Männerorden als Zuhörer zum Petersdom Zutritt haben und selbst orthodoxe und protestantische Geistliche zur Konzilsbeobachtung berufen wurden. Einen Moment lang geschieht nichts im Saal, bis der Presseverantwortliche Walther Kampe sich gefasst hat und der Fragestellerin Trost spendet: Beim Dritten Vatikanischen Konzil, antwortet er, dann seien möglicherweise auch Frauen unter den Geladenen. Das Publikum bricht in Lachen aus, und das «Echo der Zeit» wird, um keine Zweifel unter seiner Leserschaft aufkommen zu lassen, beruhigend melden: «Die Fragestellerin war befriedigt, dass ihr wenigstens die Hoffnung auf ein neues Konzil gelassen wurde.»
Nach der Konferenz stellt sich der jungen Frau Placidus Jordan vor, der unter den Journalisten gesessen hatte, und erzählt ihr von Gertrud Heinzelmanns Eingabe. Die habe sie gelesen, habe sie, Josefa Theresia Münch, zum Pater gesagt, und natürlich wisse sie auch, dass Frauen nicht zum Konzil eingeladen seien, schließlich besitze sie ein Universitätsdiplom in katholischer Theologie. Sie habe bloß die Journalisten auf diesen Missstand aufmerksam machen wollen.
(…)
