Fern von hier
Sämtliche Erzählungen
Herausgegeben von Elsbeth Dangel-Pelloquin / Mit Texten von Elsbeth Dangel-Pelloquin, Friederike Kretzen
gebunden, 3. Auflage, 792 Seiten
August 2021Adelheid Duvanel ist eine Meisterin der kleinen Form. Die radikale poetische Kraft ihrer Sprache macht sie zu einer der bedeutendsten Stimmen der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts.
Ihre kurzen Erzählungen sind Momentaufnahmen aus dem Leben von meist versehrten Existenzen, die sich aber in ihren fatalen Verhältnissen mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegen. In ihrem eigensinnigen Beharren auf ihrer Sicht der Welt bewahren sie sich ihre Würde gegen die Zumutungen des Lebens. Ja, sie finden gerade in der Abweichung vom Verlangten eine Kühnheit, die den Texten ihre umwerfende Energie gibt. Sie sind von hoher poetischer Präzision, jede Figur «in Einzelanfertigung». Trotz ihres manchmal finsteren Inhalts leben die Texte von überraschenden, absurden Wendungen und einer wunderbaren hintergründigen Komik.
Diese Ausgabe vereinigt erstmals sämtliche in Buchform sowie in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien erschienenen Erzählungen Adelheid Duvanels in einem Band, der dieser grossartigen Autorin wieder den Platz in der Literatur einräumt, der ihr gebührt.

Bildrechte: Norma Hodel
Adelheid Duvanel, geboren 1936 in Pratteln und aufgewachsen in Liestal, machte eine Lehre als Textilzeichnerin. Sie arbeitete auf verschiedenen Bürostellen sowie als Journalistin und Schriftstellerin. Von 1962–1981 war sie mit dem Kunstmaler Joseph Duvanel verheiratet, mit dem sie eine Tochter hatte. Bis auf ein Jahr auf Formentera lebte sie in Basel, wo sie 1996 starb. Ihre schriftstellerische Laufbahn begann sie unter dem Pseudonym Judith Januar in den Basler Nachrichten, in Anthologien und literarischen Zeitschriften. Ab 1980 erschienen ihre Erzählbände im Luchterhand Verlag. Duvanel wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grossen Schillerpreis und dem Kranichsteiner Literaturpreis.

Bildrechte: Ute Schendel
Prof. Dr. em. Elsbeth Dangel-Pelloquin lehrte Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Basel. Buchpublikationen zu Schnitzler, Hofmannsthal und Jean Paul, Aufsätze u.a. zu Keller, Stifter, Aichinger, zur Literaturgeschichte des Kusses, der Tränen, zu komparatistischen Themen (u.a. zu Maurice Blanchot) und zu Autorinnen der Gegenwartsliteratur.

Bildrechte: Ute Schendel
Pressestimmen
«Sie war die Wiederentdeckung des Bücherjahres 2021: die Basler Autorin Adelheid Duvanel (1936–1996). Als mit dem umfassenden Sammelband ‹Fern von hier› ihr erzählerisches Werk wieder aufgelegt wurde, stach die Grösse ihrer Miniaturprosa ebenso sehr ins Auge wie der Skandal, dass diese Autorin überhaupt in Vergessenheit geraten konnte.» Daniel Graf, Republik
«Warum kann dieses Buch das Leben verändern? Weil es zeigt, dass wir uns nie an etwaige Langeweile und Konventionalität erzählender Literatur gewöhnen sollen. Es gibt sie ja, die paar wenigen Zauberwerke, die uns in ein erregendes Rätselspiel verwickeln und nie wieder loslassen. Dies ist so ein Lebensbuch.» Alexander Solloch, NDR
«Diese Erzählungen beweisen, dass Adelheid Duvanel eine der bedeutendsten Erzählerinnen der deutschsprachigen Literatur war.» Ö1 Ex libris
«Durch ihre Erzählungen muss man durch. Muss sie lesen. Durchgehen, um danach wieder in die eigene Wirklichkeit zurückzukehren, wie fremd. Lesen, das Buch einfach mittendrin aufschlagen, lesen, staunen, lesen.» Christine Richard, Basler Zeitung
«Alle Erzählbände von Adelheid Duvanel: grossartig. Sie ist eine Autorin von hoher Intensität und dauernder Bedeutung.» Peter von Matt
«Ihre verstörenden Erzählungen, in denen die Autorin auf nur ein bis drei Seiten Alltagsdramen wie aus einer anderen Welt mit unvergleichlich metaphorischer Sprache entwarf, wurden im deutschsprachigen Raum posthum euphorisch gefeiert.
2021 war im Limmat-Verlag »Fern von hier« erschienen, ein kompakter Band mit allen Erzählungen der Autorin. Der Buchtitel brachte die Diskrepanz zwischen gelebter und empfundener Wirklichkeit in der Sprache von Duvanel kongenial auf den Punkt. Diese musste das Drama nicht erst erfinden, denn ihr Leben war eine einzige Tragödie, nur vereinzelt von Glücksmomenten durchzogen.» Matthias Reichelt, nd-aktuell.de
«Unabweisbar bleibt die Frage, warum die deutschsprachige Literaturkritik nicht zu Lebzeiten Adelheid Duvanels die Einzigartigkeit dieser Schweizer Erzählerin bemerkt hat.» Peter Hamm
«Adelheid Duvanel gilt als eine der wichtigsten Autorinnen der Schweiz.» Schweizer Radio SRF
«Die dichten Erzählungen Duvanels sollten wie Delikatessen genossen werden: in kleinen Portionen, die man nicht zu hastig verschlingen darf.» Sabine Doering, FAZ
«Wenn für diese schon beim Lesen seltsamen Kürzest-Erzählungen fast ohne Handlung, die nach der Lektüre in der Phantasie des Lesers zu arbeiten beginnen, eine Gattungs-Bezeichnung gesucht werden soll, so hat Adelheid Duvanel sie mit dem Titel ihres ersten Bandes schon gefunden: ‹Windgeschichten›. Sie jagen vorbei wie ein Windstoss, schenken einen Hauch von Freiheit, von Sehnsucht anderswohin, bringen viel durcheinander, zerzausen wohlgekämmte Ansichten.» Rolf Michaelis, Die Zeit
«Adelheid Duvanel zeichnet Standbilder und zeigt ihre Figuren gleichsam unter dem Vergrösserungsglas: Dann kippen manchmal die Texte ins Surreale. Dieses aber ist bei Duvanel lediglich die mit äusserster Sehschärfe und in grösster Nüchternheit, ja Sprödheit und doch mit Hingabe geschilderte nackte Wirklichkeit. Für einen Augenblick lässt sie ein diffuses Licht auf die Szenerien ihrer Texte fallen. Nun treten die Figuren aus der Dunkelheit hervor, und wir werden Zeugen, wie sie sich – und uns – im Verlorenheitstaumel abhanden kommen.» Roman Bucheli, NZZ
«Adelheid Duvanel liefert gestochen scharfe Momentaufnahmen fremdartiger Innenwelten, Lebenssplitter ausgesetzter Existenzen, die sich in ihrer Eigenart unverstanden fühlen und in surreale Fantasiewelten flüchten.» Oliver Pfohlmann, taz
«Man ist versucht zu sagen, diese Literatur sei ein Wunder. Einerseits ein Wunder an atemberaubender Einfühlung in menschliche Abgründe, an sprachlicher Präzision und bildhafter Mehrschichtigkeit. Anderseits scheint es ein Wunder, dass diese mit einem schweren Leben geplagte Autorin die Kraft hatte zu so einzigartiger, formvollendeter Literatur.» Hansruedi Kugler, CH Media
«Zumindest die moderne Schweizer Literatur erscheint nach dieser Lektüre in neuem Licht.» Caspar Battegay, Die Zeit Schweiz
«Das Ereignis der Büchersaison.» Daniel Graf, Republik
«Duvanels Sprache fesselt und lässt einen ins Leere fallen. Ihre Figuren sind wie die Nachbarn am Fenster, die immer schon da waren und doch gänzlich fremd geblieben sind.» Martina Wernli, WOZ
«Mit grosser Empathie und Fabuliergabe schildert die Autorin vielfältige, oft skurrile Existenzen und Befindlichkeiten. Es sind bildstarke, eigenwillige und intensive Geschichten, hellsichtig und abgründig, zart humorvoll und bitter ironisch – Zeugnisse eines komplexen Seelen- und Geisteslebens.» Dagmar Brunner, Programmzeitung
«Wer sich mit Duvanels anspruchsvollen Erzählungen auseinandersetzt, wird belohnt. Die Autorin spielt mit Motiven, spinnt sie weiter, dreht sie um. Heraus kommen dabei Texte, die chaotisch und doch einheitlich, drastisch und doch humorvoll, widerspenstig und doch verführend sind.» Schweizer Buchjahr
«Diese dem Schrecken zugewandte Geste des Verzeihens, die die Verwandlungskräfte der Kindheit mit der Unausweichlichkeit des Todes in Einklang bringt, ist das Geheimnis der Sprache von Adelheid Duvanel. Und so verwandeln sich beim Lesen von ‹Fern von hier› die 251 Erzählungen allmählich in die Mosaikbruchstücke eines vollständig in poetischer Schönheit aufgeblühten Lebens.» Luke Wilkins, NZZ
«Im Vierteljahrhundert seit Adelheid Duvanels Tod hat ihr Werk weiter an Kontur gewonnen. Sein singulärer Rang in der Schweizer Literatur ist heute unbestritten – und er lässt sich nachprüfen an der soeben erschienenen Ausgabe ihrer ‹Sämtlichen Erzählungen› in einem Band.» Manfred Papst, NZZ Bücher am Sonntag
«Duvanel ist Duvanel, unvergleichlich, immer überraschend.» Christine Richard, Tages-Anzeiger
«Lakonischer Gelassenheit und aller Tristesse zum Trotz ist ihre präzise pointenreiche und mit Komik gewürzte Sprache nicht zuletzt ein Spiegelbild der Gesellschaft. Zeit, dieses wunderbare Buch zu entdecken, Momentaufnahmen der kleinen Form.» Ingrid Isermann, Literatur & Kunst
«Wie ein erratischer Block steht dieses Erzählwerk in der literarischen Landschaft der Schweiz. Mit nichts zu vergleichen. Und die einzelnen Stücke wirken 25 Jahre nach dem Tod der Autorin frisch, als ob sie gerade geschrieben worden wären.» Christoph Kuhn, Journal21
«In ungeahnter prosaischer Dicke entwirft Duvanel oft mehr als man es von einer Erzählung vermutet, schafft schon fast ein eigenes Genre, dasjenige der Duvanel-Erzählung.» Nick Lüthi, Bookgazette
«Adelheid Duvanel ist eine Grossmeisterin des ersten Satzes. Die wichtigste literarische Wiederentdeckung des Jahres.» Thomas Böhm, rbb
«Duvanels Erzählungen sind atemberaubende Überlebensberichte aus den Rand- und Grauzonen der bürgerlichen Gesellschaft und in ihrer Sprachgewalt einzigartig.» Matthias Reichelt, nd
«Mal zart und verstörend, dann wieder nahezu dokuemtarisch kristallklar sind diese feinen und bisweilen zarten Erzählungen, in denen verschiedene Schichten einer komplexen Wirklichkeit freigelegt werden.» nd Der Tag, Matthias Reichet
«Texte wie das Leben, mit Wünschen wie Abgründen, und daraus werden Geschichten jener Buckligen, Bedrückten, Übersehenen, die dort begegnen: präzis beobachtet, in atemberaubender Dichte erzählt – als würden sie geborgen.» zeitzeichen, Udo Feist
«In ihrem eigensinnigen Beharren auf ihrer Sicht der Welt bewahrt sie sich ihre Würde gegen die Zumutung des Lebens. Ja, sie findet gerade in der Abweichung vom Verlangten eine Kühnheit, die den Texten ihre umwerfende Energie gibt.» Die Neue Südtiroler Tageszeitung
«Die Scham darüber, dass man die Autorin und ihre unfassbar gut geschriebenen Texte überhaupt vergessen oder zuvor ignorieren konnte, ist geblieben. Was man dagegen tun kann? Lesen!» Sandro Zanetti, Geschichte der Gegenwart
«Adelheid Duvanel zählt zu einer der bedeutendsten Stimmen der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts.» Literaturspur 2023
