Gottfried Semper
Seine Zürcher Jahre 1855 –1871
gebunden, 1. Auflage, 122 Fotos, Dokumente und Abbildungen, 202 Seiten
Dezember 2015Erklärter Republikaner, Professor an der Dresdner Bauakademie in Diensten des Königs, Architekt der königlichen Repräsentationsbauten, die Dresden zum «Elbflorenz» wandelten, hatte er es im Mai 1849 nicht lassen können, den Aufständischen eine stabile Barrikade zu konstruieren. Steckbrieflich gesucht, auf der Flucht nach Paris und London und beinahe Amerika – die Koffer reisten bereits –, erreichte ihn schliesslich ein Ruf nach Zürich, eine Professur auf Lebenszeit mit Spitzengehalt. Sein Freund Richard Wagner hatte lebhaft für ihn geworben.
Hier lebte er sechzehn Jahre als alleinerziehender Vater von sechs Kindern, war der Star des neugegründeten Polytechnikums, quälte sich mit den jugendlichen Bauschülern, baute unter anderem das Hauptgebäude der ETH sowie das Stadthaus von Winterthur, verfasste sein Hauptwerk, den «Stil». Er war gern gesehener Gast in manchem Salon und prominentes Mitglied der deutschen Kolonie, mit der er 1871 die Gründung des deutschen Kaiserreiches feierte.
Das Buch von Ute Kröger beleuchtet die wichtigsten Aspekte seiner Zürcher Jahre und bringt viele Briefe und Originaldokumente aus den Archiven der ETH, von denen die meisten zum ersten Mal veröffentlicht werden.

Bildrechte: Ayse Yavas
Pressestimmen
P.S. Zeitung, 18. Dezember 2015
Basler Zeitung, 31. Dezember 2015
Tages-Anzeiger, 26. Juli 2016
«Ute Kröger hat gewissenhaft und in vernünftiger Portionierung alles zusammengetragen, was sich über Sempers Zürcher Jahre in Erfahrung bringen liess.» Basler Zeitung
«Ein lesenswertes Buch. Ute Kröger korrigiert Sempers einseitige Selbsteinschätzung mit dem Hinweis, dass ‹der Bau des Polytechnikums neben dem Bundeshaus in Bern der repräsentativste Bauauftrag war, den der junge Bundesstaat zu vergeben hatte›.» Tages-Anzeiger
Entdecken
|
«Welch ein abentheuerliches Leben! Es kann ein guter Roman daraus werden», schrieb Gottfried Semper 1850 an seinen Bruder Carl. Als er 1855 nach Zürich kam, war er zweiundfünfzig Jahre alt, achtundsechzig, als er 1871 ging. In dieser recht späten Lebensphase startete er beruflich neu, sowohl als Lehrer an einer ambitionierten jungen Hochschule, der er als Starprofessor Glanz verlieh, wie auch als renommierter Architekt. Historisch, politisch gesehen waren es aufregende Jahre, Jahre des Umbruchs. Europäische Krisen, ja Kriege, die mit der Gründung des Deutschen Reiches endeten, beeinflussten sein Leben unmittelbar. Er lebte und arbeitete in einem Gemeinwesen, dessen innere Organisation ihm fremd war. Obwohl endlich nicht mehr Exilant, sondern Bürger eines freien Landes, fühlte er sich nicht diesem zugehörig, sondern schloss sich seinen hier lebenden Landsleuten aus der deutschen Kolonie an. Parteipolitik ging an ihm vorbei. Das erleichterte später seine ideologische Einordnung als Revolutionär, als Demokrat oder auch als Rechtskonservativer. |
